Fachfragen zum Schnapsbrennen



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Eintrag Nr. 1518 von 4258:

Hallo Herr Schmickl,
hier noch ein Bericht meines ersten Versuchs Marillen einzumaischen und zu brennen.
Dies ist die tragische Geschichte von vielen Stunden Arbeit, 20Kg Marillen und von zahlreichen Diskussionen mit meiner lieben Frau zur Benutzung unseres Bades.
1.Akt
Ich hatte mir nach mehrmaligen erfolgreichen Brennen von angesetzten Schnäpsen nun vorgenommen auch selbst Obstmaischen anzusetzen und selbst zu brennen.
So weit so gut, ich fuhr also frohen Mutes zu einem Obsthändler und besorgte mir 20Kg 1a Marillen.
Diese wurden von der ganzen Familie entsteint und in einem Küchenmixer passiert. Danach wurde der Brei zusammen mit den unbeschädigten Kernen und 1Kg Zucker auf drei Kunststoffkanister verteilt. Da das Ganze etwas dickflüssig war habe ich noch ca. 30% Wasser zugegeben. Den pH Wert habe ich mit Fruchtsäure auf 3.5 eingestellt.
OK, nun noch Reinzuchthefe, Nährsalz dazu und das Ganze mit Gärspund verschlossen - vorsichtshalber - in die Badewanne gestellt.
2.Akt
Innerhalb von wenigen Stunden hat die Maische dann auch stark zu gären begonnen (Hurra)- aber die Freude wich bald große Besorgnis um meine Maische. Trotzdem ich die Kanister nur zu ca. 70% gefüllt hatte ergoß sich mein ganzer Stolz durch die Gärspunde in die Badewanne.
Die Maische hatte stark zu schäumen begonnen. Nachdem dann ca. 25% meiner Maische den Weg durch den Badewannenabfluß genommen hatte beruhigte sich die Gärung und nach 4 Tagen konnte ich keine „Blubbern“ im Gärspund mehr feststellen. Eine Kontrolle des PH Wertes und des Zuckergehaltes ergaben keinen Grund für den Gärabbruch.
3. Akt
Um den Drängen meiner Frau nachzukommen, wann denn unser Bad wieder zum uneingeschränkten Gebrauch zur Verfügung steht, entschloß ich mich einen Kanister der glücklosen Maische zum Test zu brennen.
Das Ergebnis war niederschmetternd. Da ich nur eine kleine Anlage (6 Liter) besitze, mußte ich mehrere Brenndurchläufe für eine Kanister Maische durchführen.
Wie bei Ihnen im Buch beschrieben habe ich die Maische mit Anbrennschutz gebrannt, was aber bei der breiigen Konsistenz der Maisch nicht wirklich geholfen hat. Zudem hat das Ganze noch zu schäumen begonnen und ist mir dann durch den Kühler entgegen gekommen.
Also die Anlage gereinigt und von Neuem begonnen.
Diesmal hab ich dann mit dem Schäumen mehr Glück gehabt :-).
Die Ausbeute aus ca. 5-6 Liter Maische war ein halber Liter Marillen Brand mit fragwürdigem Geschmack.
4. Akt
Nach dieser Erfahrung habe ich die verbleibende Maische mit einem „Gärstarter“ erneut zu gären gebracht und hoffe das in ca. 2 Wochen das Ergebnis befriedigender ist.

Ich hoffe das dieses Drama für alle anderen Anfänger Ansporn ist dieses schöne Hobby weiter zu Betreiben und sich nicht durch Rückschläge und andere Hindernisse entmutigen zu lassen.
Viele Grüße aus Gmunden
Michael
PS. Das Bad ist immer noch mit meiner Maische belegt. ;-)


Michael Höllering, OÖ
08.Aug.2004 11:35:48


    Super 4-Akter! Die Geschichte ist wirklich gut.
    ;-)
    Wenn Sie zukünftig Marillen einmaischen, dann lassen Sie die Kerne gänzlich weg, sonst ergibt sich ein zu starker Marzipangeschmack. Sie haben eigentlich alles richtig gemacht, nur lassen Sie zukünftig die Maische bitte nicht im Badezimmer stehen, dort ist es viel zu warm, daher auch die heftige Gärung. Ideal wären so 16-19°C. Andernfalls wird Ihnen das Aroma durch die starke Gärgasentwicklung "ausgetrieben". Insbesondere bei Marille schmeckt das Destillat dann nur noch sehr entfernt und mit viel Phantasie nach der Frucht.
    Vor dem nächsten Brennen auf alle Fälle das Ende der Gärung abwarten, d.h. die Maische muß oben klar werden (die Feststoffe haben sich abgesetzt). Da Ihre Maische noch nicht fertig war und sicher noch wie Sekt gesprudelt hat, ist Ihnen auch in der Anlage alles übergegangen (daher die starke Schaumentwicklung). Wenn Sie das Ende der Gärung abwarten (am besten danach noch etwa 1 Monat im Kühlen stehen lassen) ist die Konsistenz auch nicht mehr so breiig, d.h. dann hilft auch der Anbrennschutz.
    Gärstarter wäre jetzt keiner mehr notwendig gewesen, das Ganze einfach stehen lassen...

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Design und Implementierung:
Helge Schmickl