Diskussion zum Schnapsbrennen



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Neu im Forum, Vorstellung
von: No-Methyl am 21.Jan.2012 18:47:55
Region: zwischen den Meeren

Hallo,
ich stöbere seit letztem Sommer durch das Forum und wollte jetzt auch mal aktiv werden.
Angefangen hat alles Weihnachten 2010, als ich das hier viel zitierte Buch geschenkt bekam. Vorher hatte ich ein wenig mit Angesetzten experimentiert. Ich habe es gleich verschlungen und seit dem mehrfach gelesen. Bei dieser Gelegenheit meinen herzlichen Dank an die Autoren. Es ist sehr informativ und äußerst hilfreich. Allerdings hätte ein Warnaufdruck „Vorsicht Suchtgefahr“ nicht geschadet…

Jeder, der sich mit dem Bau einer Destille beschäftigt, sollte Buch und Forum ausgiebig studieren, bevor er loslegt. Beim Lesen mancher Fragen im Forum kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Manche machen sich es hier sehr einfach und fragen lieber anderen Forumsmitgliedern ein Loch in den Bauch, anstatt sich selbst zu bemühen.
Ich war jedenfalls sofort begeistert, habe allerdings zu Anfang die Ausgaben gescheut. Im Sommer 2011 hielt ich es aber nicht mehr aus und habe mit dem Bau einer Potstil-Destille begonnen. Diese werde ich in Kürze in einem gesonderten Beitrag und mit Fotos in der Galerie beschreiben.
Angefangen habe ich mit Übungsbränden aus (sehr) billigem Wein. Ich war erschreckt, als das Zeug im Wesentlichen nur aus Nachlauf bestand. Daher habe ich dann mit gekauftem Wodka und der Geistherstellung weitergemacht. Diese Produkte (Ouzo, Himbergeist, Holunderblütengeist) waren geschmacklich noch nicht so toll. Auch ein versuchter Bierbrand traf nicht meinen Geschmack. Inzwischen habe ich jeweils selbst angesetzte Maischen aus Mirabellen, Birnen, Quitten und Weintrauben sowie Zuckermaische hergestellt. Zumindest Mirabellen, Birne und Zuckermaische waren ein voller Erfolg. Die anderen beiden habe ich noch nicht gebrannt.
Dabei habe ich die Brenntechnik stets verfeinert. Anfängliche hatte ich Probleme beim Erkennen des Nachlaufs, da meine Temperaturanzeige von den in der Literatur angegebenen Werten abwich. Daher habe ich mir eine Vorlage gebaut. Auf diese bin ich besonders stolz, da Sie bei 20%-Alkoholgehalt nur 25ml benötigt. Bei höheren Werten ist es ja noch weniger. Auch diese werde ich demnächst in einem Beitrag beschreiben.
Obwohl von meiner besseren Hälfte belächelt, habe ich stets den Verlauf von Zeit, Temperatur, Alkoholgehalt und Destillatmenge aufgeschrieben. Dies half mir, ein Gefühl für den Brennverlauf zu bekommen.
Ich musste erkennen, dass die Schnapsbrennerei sehr viel Mühe und Geduld erfordert. Inzwischen genieße ich gute Brände (auch gekaufte) mit einer großen Anerkennung für den Produzenten.
Schade, dass dieses tolle Hobby illegal ist. Es dient bei mir mehr der geistigen Beschäftigung und Experimentierfreude, als der Produktion von Alkohol. So habe ich in der letzten Zeit manchen trostlosen Wintertag damit verbracht. Auch wenn mein letzter Versuch, ein selbst hergestellter Absinth, ein Misserfolg war, werde ich weitertüfteln. In meinem Kopf schwirren Ideen für den Absinth und weitere Kräuterschnäpse herum. Auch Reiswein und Whiskey finde ich interessant.
Ich beabsichtige zukünftig in diesem Forum nicht nur zu lesen, sondern werde auch das eine oder andere Projekt präsentieren.

Bis dahin, viel Spaß beim Ausüben Eurer schwarzen Neigung.

No-Methyl
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 RE: Neu im Forum, Vorstellung
von: Kai künstler am 24.Jan.2012 10:14:13
Region: nanana

Hallo No-Methyl,
schön daß es Menschen wie dich gibt. Unser "Hobby" ist schon eine Wissenschaft für sich. Du scheinst ja das nötige Lernpotenzial aufzubringen. Übung und Erfahrung machen den Meister aus. In unserem Land ist man ja sofort ein Verbrecher wenn man ein solches Hobby pflegt. Ich bin allerdings der Meinung daß wir ohne unsere "schwarzen" Hobbytüftler im Vergleich mit anderen Ländern auf der Stelle treten würden. Wer ausser uns kann die Brandkenntnisse verfeinern in diesem verkleisterten System?
Freue mich auf deine Ergebnisse und viel Freude und Erfolg bei deinem Werken.
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 RE: Neu im Forum, Vorstellung
von: Harm Los am 28.Jan.2012 00:18:11
Region: Irokesien

Hallo No methyl,
hurra wieder ein Neugieriger, ein Seelenverwandter. Dein Nickname kann nicht Programm sein, denn das wirst Du nicht erreichen. Versenke die nicht gelungenen Produkte im Keller und Du wirst, oft erst nach Jahren, unglaubliche Überraschungen erleben. Bleib dabei, es lohnt sich. Ich habe in vielen Jahren fast 100 verschiedene Brände kreiert und bin immer noch um Perfektion bemüht. Meine lieben Freunde danken es und meine Produkte sind wirklich gut. Unsere Illegalität gibt uns andere Möglichkeiten, sie ist eine Chance, fernab der gesetzlichen Vorschriften Aussergewöhnliches
zu leisten und uns selbst und unsere Bekannten zu beglücken. Bin gespannt auf Deine Beiträge und lerne gerne.
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 RE: Neu im Forum, Vorstellung
von: No-Methyl am 02.Feb.2012 21:12:34
Region: zwischen den Meeren

Hallo Kai, hallo Harm,

Danke für die Begrüßung!

Ihr habt recht, dass Experimentieren und Tüffteln sind für mich der Hauptanreiz. Bin oder besser war an sich nicht der große Schnapstrinker. Aber mein Obstler aus Mirabelle und Zwetschge schmeckt mir richtig gut. Er scheut bereits jetzt keinen Vergleich mit einem gekauftem. Und ich hoffe, dass er mit der Lagerzeit noch besser wird. Möchte nächsten Sommer auch etwas von der dann gut abgelagerten Maische mit frischen Früchten im Aromakorb brennen. Dann müsste er noch fruchtiger werden. Kann es kaum erwarten.

Ich hatte versprochen, eine Beschreibung der von mir gebauten Destille ins Netz zu stellen. Sie ist jetzt in der Galerie unter der Nummer 208 zu sehen. Fragen und Kommentare sind herzlich willkommen. Fotos finden sich in der Galerie.

Basis ist ein alter 5L-Schnellkochtopf, den meine bessere Hälfte freigegeben hatte. Eine freundliche Mail an den Hersteller ergab die Information, dass es einen passenden Silikondichtring zu kaufen gibt und man mir diesen gerne schicken würde. Kann ich nur empfehlen, wenn ich hier manchmal die abenteuerlichen Abdichtversuche lese. Ist übrigens nicht teuer.
Aus verschiedenen Gründen wollte ich keine Kupfer-Anlage. Deshalb habe ich meine Destille komplett aus Edelstahl mit Glaskühler gebaut.
Der Anschluss des Steigrohrs habe ich mit einem 1“-Schraubflansch realisiert. Ich habe mich hier dicht an das Buch gehalten, dass für maximales Aroma einen ähnlichen Durchmesser empfiehlt. Zur Abdichtung des Flansches, seiner 4 Schrauben und der Verschlussschraube für das ehemalige Entlüftungsventil des Schnellkochers habe ich Teflon-Dichtband genommen. Mehrere Streifen Dichtband miteinander verzwirbeln ergeben eine perfekte Dichtungsschnur. Wenn man dickere Dichtungen benötigt, kann man einfach mehrere solcher gezwirbelten Schnüre wieder miteinander verzwirbeln. Geht gut mit einem Akku-Schrauber. Die eine Seite in das Futter und die andere in einen Schraubstock einspannen und dann vorsichtig Gas geben. Die Schrauben sind natürlich auch aus Edelstahl.
Mit Hilfe eines 1“-Doppelnippels habe ich oberhalb des Schraubflansches ein 1“-T-Stück eingeschraubt. Den Doppelnippel könnte ich theoretisch gegen ein langes Gewinderohr austauschen, um eine Reflux zu realisieren. Wenn es mal soweit ist, werde ich vielleicht den einen oder anderen Rat zu Länge und Ausführung des Rohres benötigen.
Im oberen Ausgang des T-Stücks steckt der Silikonstopfen für das Thermometer in einem ¾“-Reduzierstück.
Im seitlichen Ausgang steckt ein 1“-Bogen (45 Grad). Weiter geht es mit einem 20cm langen 1“-Gewinderohr. Für den Übergang zum 40cm langen Liebigkühler habe ich mir einen Stopfen aus Teflon drehen lassen. Trotz langer Suche im Internet konnte ich keinen passenden Adapter finden. Das Rohmaterial hatte ich noch. Der Schlosser hat auf der einen Seite 1“-Rohrgewinde und auf der anderen einen zum Kühler passenden Kegel gedreht. Der Durchlass des Stopfens ist 18mm groß. Der Kegelsitz wird wie alle Schraubverbindungen mit Teflonband abgedichtet. Dieses hat bereits mehr als 15 Brennvorgänge gehalten. Obwohl ich den Kühler jedes Mal abnehme, ist das Teflonband auf dem Kegel immer noch heile.
Anfangs hatte ich ein Glasthermometer. Dies ist mir aber beim dritten Versuch gebrochen. Jetzt benutze ich ein digitales Einsteckthermometer und bin damit sehr zufrieden.
Der Kühler wird mit einer billigen Pumpe für Zimmer-Springbrunnen betrieben, die in einem Eimer (ca. 14L) liegt. Zur Kühlung des Wassers verwende ich mit Wasser gefüllte, gefrorene 0,5L-Plastikflaschen. Diese sind wieder verwendbar und kühlen mehr, als gekaufte Kühlpacks.
Inzwischen weiß ich, der Kühler hätte auch kürzer sein können. 20cm hätten wahrscheinlich auch gereicht.
Geheizt wird mit einem günstigen 1-Flamm-Gaskocher. Da dieser sich aber nicht weit genug runterregeln ließ, habe ich das ganze mit einem zusätzlichen Gasventil erweitert. Habe jetzt das Gefühl, das weniger zerkocht.
Eine Beschreibung der auf den Fotos erkennbaren Vorlage folgt in Kürze.

Was haltet ihr davon?

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Design und Implementierung:
Helge Schmickl